Spitalstrategie Kanton St. Gallen

17. September 2020: Der Kantonsrat unterstützt die Strategie der Regierung in der ersten Lesung in den Kernpunkten. Die Spitalstandorte Altstätten, Wattwil, Flawil und Rorschach werden aufgehoben. Über den Standort Walenstadt wird in zwei Jahren entschieden, wenn in einem Bericht aufgezeigt wird, ob und wie eine interkantonale Zusammenarbeit mit Glarus und Graubünden entstehen kann. Die zweite Lesung findet in der Novembersession statt. Die Bevölkerung wird 2021 mindestens über zwei Finanzvorlagen im Zusammenhang mit der Spitalstrategie an der Urne entscheiden. 

Obwohl ich als Mitarbeiterin des Spitals Rorschach von den Änderungen in der St. Galler Spitallandschaft direkt betroffen bin, habe auch ich diesen Entscheid unterstützt. Untenstehend ist einer meiner Beiträge zur Debatte vom 16. September nachzulesen.

Sehr geehrter Herr Kantonsratspräsident, sehr geehrte Frau Kantonsratsfizepräsidentin,

sehr geehrte Damen und Herren von Regierung und Kantonsrat

Ich spreche hier als Bewohnerin der Region Rorschach, als Pflegefachfrau und insbesondere als langjährige Angestellte des Spitals Rorschach.

In der Schweiz verfügen wir über eine moderne, qualitativ sehr hochstehende und für alle Menschen zugängliche medizinische Versorgung. Wir alle schätzen dies und möchten keinen Abbau dieser Leistungen. Durch die Entwicklung der Medizin und die hohen Ansprüche von uns Schweizern haben sich aber die Anforderungen an die Beteiligten verändert. Unter anderem entsprechen die bisherigen dezentralen Landspitäler, die jahrzehntelang beste Leistungen erbracht haben, nicht mehr den heutigen Anforderungen. Die Gründe dazu wurden in den vergangenen Monaten und auch heute Vormittag wieder ausgiebig diskutiert. Ich möchte sie nicht nochmals wiederholen. Die Tatsache, dass «mein» Spital nicht mehr gefragt ist, tut weh. Insbesondere da ich überzeugt bin, dass auch wir in den kleinen Spitälern in der Vergangenheit qualitativ gute Arbeit geleistet haben. Nichtsdestotrotz sind wir an einem Punkt angelangt, an dem Weichen für die Zukunft gestellt werden müssen. Einerseits durch die Aufgabe von gewohnten Angeboten, andererseits aber auch durch den Aufbau neuer, zeitgemässer Strukturen. Damit wir dies anpacken und auch als Chance nutzen können, sind nun Entscheidungen von uns Kantonsräten gefragt.

Nach vielen Diskussionen mit verschiedenen Beteiligten, auch im Spital, kam ich zum Schluss, dass im Rahmen einer kantonal abgestimmten Lösung der Vorschlag der Vorberatenden Kommission am ehesten gangbar ist.

Ich bin sicher, dass wir mit innovativen Gesundheitszentren und regional angepassten Angeboten für die kommenden Jahre gut aufgestellt sein werden. Hierbei sollte der Fokus aber nicht nur auf den ärztlichen Bereichen liegen, sondern auch auf pflegerischen. Denn eine der Schwierigkeiten der Spitalsschliessungen wird die Versorgung von betagten und/oder mehrfacherkrankten Menschen sein. Für diese besteht die Gefahr, zwischen Stuhl und Bank zu fallen, wenn sie nach medizinischen Vorgaben «nicht spitalpflichtig» sind, aber auch nicht nach Hause können. Es wäre eine traurige Tatsache, wenn in unserem reichen Land Menschen auf diese Art vernachlässigt würden. So muss zwingend, Hand in Hand mit dem Aufbau von Gesundheitszentren, eine Weiterentwicklung von Spitex, Übergangspflege und palliative care geschehen. Insbesondere ist diese mögliche Versorgungslücke im Auge zu behalten, wenn die Spitäler Rorschach und Flawil innerhalb weniger Monate beide geschlossen werden sollen.

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, als Mitarbeiterin des Spitals Rorschach bitte ich sie alle, die Vorschläge der VoKo zu unterstützen, damit die nötigen Vorbereitungen und Planungen für den kommenden Wechsel in der Gesundheitsversorgung bald in Angriff genommen werden können. Die Zeit des Zuwartens war nun lange genug, in den betroffenen Spitälern möchten wir wieder nach vorne schauen und unsere Zukunft und aber auch die unserer Patienten, um die es bei dieser Vorlage letztendlich ja geht, anpacken können.

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