Emotionale Debatte um Zukunft des Spitals Rorschach

Es war kein einfacher Abend für Daniel Germann, Vorsitzender der Geschäftsleitung des Kantonsspitals St.Gallen. Die CVP der Region Rorschach hatte zum Informationsabend zur Zukunft des Spitals Rorschach geladen.

Vor den rund 200 Besuchern – der kleine Saal im Stadthof Rorschach war fast bis auf den letzten Platz gefüllt – musste Germann erklären, weshalb der Spitalverbund den Standort Rorschach schliessen will. Sein Kontrahent, der Rorschacher Lukas Moll, vertrat im Namen der Hausärzteschaft die Position, dass eine Spitalschliessung nur schwer durch ein Gesundheits- und Notfallzentrum, wie es der Spitalverbund anstrebt, zu kompensieren ist. Die Moderation des Anlasses übernahm der Kantonsrat Felix Bischofberger.

Während Germann für seine Begründungen vor allem Tabellen, Zahlen und Statistiken ins Feld führen muss, kann sich Moll auf emotionale Argumente verlassen. Die Herzen des Publikums, die schon vor der Diskussion mehrheitlich für die Erhaltung des Spitals schlugen, gewinnt der Hausarzt damit im Handumdrehen.

Emotionen gibt es an dem Abend reichlich. Das zeigt sich spätestens bei der Diskussionsrunde am Schluss. Viele Fragen aus dem Publikum sind getrieben durch Sorgen und Ängste um Arbeitsplätze und vor allem um die Qualität der medizinischen Versorgung der Region Rorschach. Es wird klar: Viel Vertrauen schenken die Anwesenden den Plänen des Spitalverbunds nicht. Viele befürchten, dass bei einer Schliessung des Spitals Rorschach das Kantonsspital in St.Gallen nicht genügend Betten für Patienten vom See zur Verfügung hat.

Mehr Arbeit für die Spitex

Zwar versichert Germann, dies sei der Fall. Mit seiner Argumentation, mehr Betten frei zu halten, weil künftig mehr Fälle ambulant behandelt würden, wie es in der Medizin derzeit landesweit üblich ist, tritt er jedoch die nächste Befürchtung los: Besonders ältere Menschen würden nach einem Eingriff schon heute zu früh nach Hause geschickt, hiess es aus dem Publikum. Die Kosten für Nachbehandlungen und Pflege, etwa durch die Spitex, trügen dann die Gemeinden oder Patienten selbst. Man wolle künftig mehr mit Organisationen wie der Spitex zusammenarbeiten, entgegnet Germann.

Möglichst viel für wenig Geld

Was Daniel Germann an diesem Abend an die Leute bringen will ist klar: Der Betrieb der fünf Aussenspitäler, darunter Rorschach, sei finanziell nicht mehr möglich, ohne ein riesiges Loch in die Kassen des Kantons zu reissen. Die geplanten Gesundheits- und Notfallzentren sollen die Spitäler so gut wie möglich kostengünstig ersetzen und die medizinischen Grundbedürfnisse der Bevölkerung decken.

Viel hält Lukas Moll von dieser Idee nicht. «Ein Notfallzentrum ist unnötig. Dafür sind wir Hausärzte ja da», sagt er. Zudem sei ein 24-Stunden-Betrieb dieses Zentrums teuer, besonders bei tiefen Fallzahlen. Dass es in Form eines Gesundheitszentrums Ambulatorien, zum Beispiel für Onkologie gebe, darüber könne man hingegen diskutieren, findet er.

Wege der Patienten werden länger

Dennoch wehrt sich Moll gegen die Abschaffung «der gut funktionierenden medizinischen Versorgung in Rorschach», indem das Spital verschwindet. Denn nicht nur die Wege der Patienten würden länger, es gingen auch der Austausch der Haus- mit den Spitalärzten sowie Weiterbildungsstellen verloren.

«Doch seien wir realistisch, die Schliessung wird kaum abzuwenden sein», sagt er. Er warnt jedoch, dass das Spital Rorschach nicht aufgegeben werden dürfe, bevor der aktuelle Ausbau des Kantonsspitals in St.Gallen fertig sei.

«Sonst drohen Chaos und Überlastung wegen Kapazitätsengpässen.»

Germann dementiert: «Es wird genügend Kapazität geben.»

Rorschach ist als Erstes dran

Molls Forderung wird der Spitalverbund ohnehin kaum nachkommen können. Denn der Neubau wird erst 2024 fertig. Die Region Rorschach wird jedoch laut den Plänen die erste sein, in der die Umstrukturierung vonstatten geht.

Dabei entsteht noch ein weiteres Problem: Weil das Rorschacher Spitalgebäude als neues Notfall- und Gesundheitszentrum wegen seines Alters und der Lage nicht in Frage kommt, müsste ein solches erst noch gebaut werden. Noch ist aber nicht einmal klar, an welchem Standort. Das könnte also noch Jahre dauern. Die Schliessung des Spitals Rorschach dauert jedoch maximal sechs Monate, sobald sie eingeleitet wird, bestätigt Germann. Die Hafenstadt könnte also für eine Zeit lang weder ein Spital, noch ein Gesundheitszentrum haben. «Dann müssen wir mit den Rorschacher Hausärzten eine Übergangslösung erarbeiten», sagt Germann.

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