Portrait novum

Die Region Rorschach liegt ihr am Herzen

Seit Luzia Krempl-Gnädinger in den 70er Jahren ihre Mutter auf deren Tour als Vertretung der Gemeindeschwester begleiten durfte – das war damals noch möglich – stand für sie fest, dass auch sie einmal Krankenschwester werden würde. Nicht nur die Zeiten haben sich seither geändert, sondern auch viele Berufsbezeichnungen…

Text: Philipp Lutz
Foto: Florian Brunner

Luzia Krempl-Gnädinger ist in Goldach aufgewachsen. Für die Ausbildung zog sie ins Bündnerland, danach folgten einige Jahre Wanderschaft in andere Ecken der Schweiz.
Ihre erste Anstellung als Pflegefachfrau 1993 im Spital Rorschach war gleichzeitig auch eine Rückkehr in ihre Heimatregion, der sie bis heute treu geblieben ist. Zwischen 2009 und 2012 arbeitete die inzwischen verheiratete Mutter von vier Kindern in einem Teilpensum als Study-Nurse im Adipositaszentrum, welches damals noch im Spital Rorschach untergebracht war. 2014 folgte die dritte Anstellung im Spital Rorschach. Luzia Krempl ist seither in Teilzeit als Pflegefachfrau im dortigen onkologischen Ambulatorium tätig.

«Das verbindet uns»

Die Region Rorschach, besonders aber die Menschen, die hier leben, liegen ihr denn auch sehr am Herzen. Und so erstaunt es nicht, dass sie im Privaten wie auch bei der Arbeit das ins Zentrum stellt, was auf Neudeutsch «Caring » genannt wird: Wertschätzung, Empathie und Fürsorge gegenüber den Mitmenschen. Auf die Frage, was ihr an ihrer Tätigkeit im Spital am besten gefalle, sagt die Pflegefachfrau: «Der Kontakt mit den Patienten, die wir in unserem Ambulatorium gut kennen, da viele über längere Zeit wöchentlich bei uns sind. Wir begleiten sie und ihre Angehörigen durch schwere Zeiten, das verbindet uns».

Frühes Interesse an der Politik

Für die Gesellschaft und das Miteinander hat sich Luzia Krempl schon immer interessiert. Als Jugendliche war sie Leiterin in einem Jugendverband und parallel zu ihrer Familienzeit hat sie sich in der Pfarrei engagiert. Auch an politischen Themen war und ist sie sehr interessiert.
«Da mein Vater Gemeinderat war, gehörten Gespräche über Politik schon früh zum Alltag», verrät die Goldacherin und ergänzt, dass sie es als Privileg betrachte, in der Schweiz zu wohnen. «Das politische System bewährt sich seit vielen Jahren, wir leben hier in Frieden und Wohlstand.
Es gibt wenige Länder, die ihren Bürgerinnen und Bürgern so viel Mitspracherecht einräumen. Das bedeutet aber auch, dass die Bürger Verantwortung übernehmen müssen.»

Seit April Kantonsrätin

Luzia Krempl spricht nicht nur davon, Verantwortung zu übernehmen, sondern sie geht mit gutem Beispiel gleich selber voran. Als für die Personalkommission (Peko) des Kantonsspitals St.Gallen 2016 ein Ersatz für die damalige Rorschacher Vertreterin gesucht wurde, standen die Anwärterinnen und Anwärter nicht gerade Schlange. Als engagierte Mitarbeiterin sagte sie letztlich zu, weil sie es wichtig fand, dass der Standort Rorschach in der Peko vertreten ist. Sie hat ihren Entscheid nicht bereut: «Durch meine Tätigkeit in der Peko erhalte ich einen vertieften
Einblick in ganz verschiedene Zusammenhänge des KSSG. Ich finde das sehr interessant und auch lehrreich.» Doch damit nicht genug. Seit dem 24. April sitzt Luzia Krempl für die CVP der Region Rorschach auch im St.Galler Kantonsrat. Ihre ersten beiden Sessionen liegen bereits hinter ihr. «Es war sehr spannend! Ich wurde mit vielen neuen Themen konfrontiert. Beispielsweise in meiner ersten Session mit dem Hundegesetz, den Kantonsschulbauten, dem Submissionsgesetz oder auch mit Klimavorstössen und vielem mehr. Ausserdem musste ich einen Laptop anschaffen und zu meinem Schrecken auch eine Brille», schmunzelt die Kantonsrätin.

Alle machen mit

Doch wie bringt Luzia Krempl all ihre Aufgaben überhaupt unter einen Hut? Dies sei gar nicht so einfach und auch nicht selbstverständlich, gibt sie mit unumwunden zu. In erster Linie brauche es dazu die Bereitschaft ihrer ganzen Familie. «Alle müssen im Haushalt mitanpacken, was sie mehr oder weniger freiwillig auch tun», lacht sie und erwähnt weiter, dass es zudem nun vermehrt Termine gebe, die auch in die Arbeitszeit fielen. Sie sei deshalb auch froh um das Verständnis ihrer Kolleginnen und Kollegen im Spital und dankbar für ihr aktives Mitdenken, wenn sie einen Rat von ihnen benötige.

Unterschiedliche Rollen

In ihren unterschiedlichen Rollen als Mitarbeiterin, Einwohnerin, Peko-Mitglied und neu auch als Kantonsrätin ist Luzia Krempl gleich mehrfach von den Diskussionen rund um die Struktur- und Leistungsentwicklung der St.Galler Spitäler betroffen. «Als Mitarbeiterin und Bewohnerin der Region tun mir die Veränderungen in erster Linie leid. Ich arbeite gerne im Spital Rorschach, wir leisten gute Arbeit. In diesem kleinen, persönlichen Umfeld kennt man sich. Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist bei uns Alltag. Viele Mitarbeitende, Patienten und Besucher kommen zu Fuss oder mit dem Velo hierher», sagt Luzia Krempl. Die Politikerin in ihr sehe aber auch, dass Veränderungen im gesamten Gesundheitswesen dringend nötig seien. «Die Kosten sind in den letzten Jahren immens gestiegen, ein Ende ist nicht in Sicht. Dieser Entwicklung können wir nicht weiter zuschauen, da braucht es Massnahmen in vielen Bereichen. Das Schweizer Gesundheitswesen ist aber nicht nur eine soziale Einrichtung, es ist auch ein Wirtschaftszweig mit sehr vielen Beteiligten, ein riesiges Netzwerk. Alle wollen ihre Interessen wahren. Das macht es sehr schwierig, nicht nur Ideen zu entwickeln, sondern diese auch durchzuführen.»

Zufriedenstellende Lösungen für alle suchen

Für die Region Rorschach sei es wichtig, weiterhin medizinische Grundversorgung vor Ort zu haben, betont Luzia Krempl. Welche Bereiche das sein könnten, ist noch nicht definitiv entschieden. Persönlich sei es ihr ein grosses Anliegen, dass vor allem die älteren Einwohner auch in Zukunft in Rorschach optimal medizinisch betreut werden können. Aus Sicht der Personalkommission des Kantonsspitals St.Gallen sei vor allem die Zusicherung der Direktion wichtig, dass es aus heutiger Sicht für alle Mitarbeitenden eine weiterführende Lösung und keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde. Es sei mitunter Aufgabe der Personalkommission, die Mitarbeitenden durch diese Umbruchphase zu begleiten und zufriedenstellende Lösungen für alle Angestellten in Zusammenarbeit mit anderen Sozialpartnern zu finden. Man spürt bei jedem Satz von Luzia Krempl, wie ernst sie es mit der Wertschätzung, Empathie und Fürsorge gegenüber den Mitmenschen meint.

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